Wort zum Sonntag

Prise zum Sonntag

Kerstin Berk Sonntag, 28. Juni 2020 von Kerstin Berk

Die Kirchengemeinde als Puzzle

Gemeinde & Gemeinschaft

Liebe Gemeinde!

Stellen Sie sich vor, die Kirchengemeinde wäre ein Puzzle und Sie wären ein Puzzleteil. Wie könnte es aussehen, Ihr, Euer Puzzleteil – der Namestünde sicher darauf und dann vielleicht etwas, was sie besonders gut können, wofür Ihr Euch besonders begeistert. Puzzleteile wollen zusammengesetzt werden. Warum? Ja eben, damit sich ein Bild ergibt. Wenn alle zusammenkommen, dann sehen wir ein buntes und lebendiges Bild. Ein buntes und lebendiges Bild ergibt sich auch, wenn in der Kirchengemeinde alle zusammenkommen.

Da sind die Kinder, die mögen es bunt, die Jugendlichen gerne gechillt. Da gibt es welche, die gerne zum Gottesdienst kommen, andere, die besonders die Konzerte lieben. Da sind junge Erwachsene, die sich ehrenamtlich z.B. bei den Ferienspielen engagieren. Da sind auch viele Familien, Mütter und Väter dabei, die für sich und ihre Kinder in der Kirchengemeinde einen Platz finden. Eine große Gruppe sind die, im besten Alter, die Best-Agers, die noch etwas bewegen wollen, etliche im Kirchenvorstand, in der Bücherei oder im Besuchsdienst. Und natürlich die Senioren und Seniorinnen, Gäste im Café für alle oder im Frauenkreis. Viele finden sich zusammen und erleben etwas gemeinsam, manche in festen Kreisen, manche, je nach Lust und Laune.

Und in diese bunte bewegte Bild kommt ab heute noch eine Gruppe wieder mithinein: Die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden. Sie wollen etwas: Sie wollen konfirmiert werden, das heißt sie wollen noch mehr über den Glauben erfahren und selbst entscheiden, dass sie zur Gemeinde dazugehören. Auch die Konfis sind ein Teil des Ganzen. Wir wollen dafür sorgen, dass sie einen guten Ort finden, ein Puzzleteil im Großen und Ganzen lebendigen Miteinander sein können. Auch sie machen die Gemeinde aus, brauchen eine gute Aussicht und einen guten Platz.

Und Sie und Ihr, die Ihr zuschaut: Was ist Euer Platz mit Euren Vorlieben und Überzeugungen, mit dem was Ihr besonders könnt? Seid Ihr, sind Sie auf dem Bild, dass die Kirchengemeinde Auf dem Berg widerspiegelt hier schon dabei? Oder habt Ihr, haben Sie noch keinen Platz gefunden? Dann braucht es vielleicht eine Idee, etwas, was bestimmt auch noch andere interessiert, um einen neuen Raum zu schaffen. So ein Puzzle hat ja den Vorteil, dass es anschlussfähig sind, also da kann immer noch etwas dazu kommen. Gott hat ganz viel Raum geschaffen und Verbindungsmöglichkeiten dafür, wie Menschen Gemeinde sein können.

Auch wenn das gerade noch in weiter Ferne zu sein scheint, weil wir uns immer noch nicht einfach so treffen können, ist es doch ein gutes Gefühl, dass es dieses lebensfrohe Bild der Kirchengemeinde als Hintergrund unseres Lebens immer noch gibt. All diese Menschen, die Gruppen sind immer noch da, glauben immer noch, beten, vertrauen, versuchen zusammenzustehen. Diese Menschen sind Kirche. Sie, Ihr seid Kirche, ab heute wieder bereichert durch über 50 Konfis.

Was immer auch geschieht: Der Geist Gottes, der das Bild von Kirche bunt und lebendig macht, lebt weiter und trägt uns alle gerade auch durch diese dürre Zeit. AMEN

Guter Gott, Du bist ein Teil unseres Lebens, wir ein Teil von Dir. Wir beten für die Kinder, für die Konfirmand*innen, für Jugendliche und junge Erwachsene, dass der Glaube in ihrem Leben eine Kraftquelle bleibt.

Für die Familien, für die Menschen mittleren Alters, für die Senior*innen, dass ihre Hoffnung sich erneuert .

Für alle, denen es momentan schlecht geht, die Angst haben um ihre Zukunft, um die Gesundheit, dass sie Trost und Unterstützung finden können.

Gott, du bringst uns zusammen im Glauben, das kann uns Mut und Zuversicht schenken. Amen

Prise zum Sonntag

Ralf Haunert Sonntag, 14. Juni 2020 von Ralf Haunert

Ein Herz und eine Seele

kennen Sie diese Serie aus den Siebzigern (noch)?

„Ein Herz und eine Seele“ – kennen Sie diese Serie aus den Siebzigern (noch)? Unzählige Male wiederholt in den Dritten Programmen.

Heinz Schubert als „Ekel Alfred“, ein Spießbürger und Haustyrann vor dem Herrn. Frau, Tochter und Schwiegersohn haben in jeder Episode heftig unter ihm zu leiden.

Ich mag diese Serie mit ihrem kantigen und – trotz allem Zeitkolorit – nach meinem Empfinden in vielem auch heute noch keineswegs abgestandenwirkenden, vielmehr entlarvenden Humor; und deshalb schaue ich mir hin und wieder gern eine Folge auf youtube an.

Ein Herz und eine Seele – schon der Titel der Serie steckt, wie man schnell merkt, wenn man das Familienleben der Tetzlaffs ein bisschen näher kennenlernt, voller böser Ironie. –

Interessant ist in diesem Zusammenhang nun aber auch, dass der Serientitel, diese im Deutschen sprichwörtliche Wendung, aus der Bibel entlehnt ist.

Der Evangelist Lukas berichtet in seiner Apostelgeschichte vom Leben der Urgemeinde in Jerusalem: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“

Lukas schildert die Jerusalmer Urgemeinde, als habe in ihr ein geradezu ideales Einvernehmen geherrscht, bis dahin, dass alles miteinander geteilt wurde: „Auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.“

Dabei lässt Lukas an anderer Stelle durchaus durchblicken, dass natürlich auch bereits die ersten Christen mit den üblichen zwischenmenschlichen Problemen, Konflikten und Eifersüchteleien zu kämpfen hatten. Und dass die Bereitschaft zum Teilen längst nicht bei allen so stark ausgeprägt war, wies die eben zitierten Sätze suggerieren.

Warum aber rückt Lukas die Urgemeinde dann in ein derart ideales Licht?

Bis heute ist dies ja etwas geblieben, was Kritiker Kirche und Christentum mit Vorliebe entgegenhalten: Dass sie in Wahrheit doch auch nicht besser seien.

Diese Kritik hat ihr Recht.

Gewiss waren auch die ersten Christen keine moralisch Vollendeten. Aber obgleichmanches schon ganz früh schwierig zu werden begann, war die Urgemeinde unzweifelhaft von der Begeisterung des Anfangs erfüllt.
Aus dieser Begeisterung des Anfangs wird in der Folge, wie bei Lukas zu beobachten, eine Begeisterung für den Anfang: Die Urgemeinde musste dem Idealen einfach nähergewesen sein als die Späteren, eben weil sie dem eigentlichen Anfang, dem Christusereignis selbst, zeitlich – und unterstellt damit auch existentiell –  am nächsten gewesen war.

Ein Herz und eine Seele – das deckt sich also selbst für die allerfrühesten Christen in Jerusalem wohl nur zum Teil mit der historischen Wahrheit.

Doch letzten Endes geht es darum wohl auch nicht. Auch nicht bei Lukas. Ihm dürfte es in seiner Beschreibung der Urgemeinde um etwas anderes zu tun sein. Um eine Vision von Kirche. Um die Vision eines neuen und ganz anderen Miteinanders.

Christsein bedeutet, einzutreten in die von Jesus Christus ausgehende Bewegung der Liebe.

Echte Humanität, die in Gott ihren Grund findet – dahin will die Liebe, die von Jesus Christus ausgeht, orientieren und bewegen. Bei aller Kritik, die man berechtigterweise an der Kirche haben kann: Es ist gut, dass sie kraft ihrer Existenz von dieser Vision Zeugnis gibt. Ohne sie wäre die Welt ärmer.

Es grüßt Sie

Pfarrer Ralf Haunert, Evangelische Kirchengemeinde Auf dem Berg

Ev. Kirchengemeinde Auf dem Berg - Paul-Gerhardt-Str. 2 - 63584 Gründau - Tel.: 06051 140 60 - info@kirche-aufdemberg.de

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